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„Überschätzen Sie nicht Ihre Fähigkeiten!“

„Stellen Sie sich vor Sie kommen aus der Waschküche nach oben und stellen fest, dass das Bügeleisen den Bügeltisch in Brand gesetzt hat.“ Mit diesen Worten begann Dozent Jan Nees von der Freiwilligen Feuerwehr Rüsselsheim-Stadt seinen zweistündigen Vortrag zum Thema „Feuerlöscher im Privathaushalt“, welcher im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Brandaktuelles Frühstück“ am Sonntag, dem 25. März 2012 im Lehrsaal der Feuerwache am Rugbyring stattfand.

 

Frühstück

 

Nachdem die Teilnehmer ein ausgiebiges Sonntagsfrühstück genossen hatten, begrüßte Wehrführer Günther Hansel kurz die 21 Gäste. 230.000 Brände müssen Deutschlands Feuerwehren jedes Jahr durchschnittlich bekämpfen. Experten sind sich durchweg einig, dass ein überwältigender Teil dieser Feuer bereits im Keime erstickt werden könnte, "wenn ein Feuerlöscher zur Hand wäre", so der Wehrführer der FF Rüsselsheim-Stadt.


Mit seinem Bügelbrett-Beispiel rechnete Nees anschließend den Anwesenden vor wie viel Zeit von der Entdeckung des Feuers, über die Absetzung des Notrufes, den Anmarsch der Feuerwehr und den Aufbau des Löschangriffs vergehen kann, bis der Brand effektiv bekämpft wird. Eine zweieinhalb- minütige Echtzeit-Videosequenz verdeutliche im Anschluss, wie schnell ein Entstehungsbrand ohne Feuerlöschereinsatz zu einem Flammeninferno im eigenen Wohnzimmer werden kann. Und diese Zeit beträgt nur einen Bruchteil der errechneten 14,5 Minuten aus dem Beispiel des Feuerwehrmanns.

 

Unterricht


Nachdem nun allen Anwesenden klar war, dass ein Feuerlöscher ein probates Mittel sein kann um finanzielle und vor allem ideelle Werte in den eigenen vier Wänden zu schützen, stand ein kurzer Ausflug in die Grundlagen des Brenn- und Löschvorgangs an. Hier wurde deutlich, dass nicht jedes Löschmittel für jede Art von Bränden geeignet ist, beziehungsweise welches Löschmittel für welche Gegebenheiten im eigenen Haus am effektivsten wirkt.

 

Da es sich bei dem Brandaktuellen Frühstück ja um einen Expertenvortrag handeln soll, kam nun auch ein solcher zum Einsatz – Die Maus! Der WDR-Nager erklärte in einem kurzen Filmbeitrag Herstellung, Prüfung und Funktionsprinzipien von Feuerlöschern. Gruppenführer Nees ergänzte im Anschluss alles bisher Erlernte mit generellen Tipps zu den Themen Auswahl, Qualität, Platzierung und Wartung.
Nachdem er einige Fragen der Teilnehmer zur Vorbereitung des Löschereinsatzes beantwortet hatte, ging es zur Beschreibung des Ernstfalls. Wie wird ein Feuerlöscher möglichst effektiv eingesetzt, was sind seine Grenzen, und vor allem - was sind die Grenzen des Bedieners!? Hier zeigten sich die Anwesenden vor allem überrascht über die kurze Einsatzdauer, die zum Beispiel ein 6-Kilogramm-ABC-Pulverlöscher bietet: Nach 9 bis 12 Sekunden Dauerbetrieb ist nämlich der Behälter schon leer. Auch eher abschreckend der Kollateralschaden, den ein Pulverlöscher durch Verschmutzung der Umgebung anrichten kann. Zwar ziehen die feinen Salzkristalle in jede Ritze von zum Beispiel Elektrogräten, doch bietet der Pulverlöscher nun mal die größten Vorteile für den Laien bei seinem Einsatz. Löschvermögen, Wirkungsgeschwindigkeit und –bandbreite sowie seine Wurfweite sind unübertroffen, und für einen Nicht-Feuerwehrmann durchaus ausschlaggebende Kaufargumente!

 

Ebenso bezog Nees Stellung zu den immer wieder angebotenen und angepriesenen Feuerlöschsprays. "Natürlich besser als nichts, aber was wollen Sie bitte schön mit 500 Millilitern Wasser (mit Zusätzen) schon ausrichten?" Solche Spraydosen sollten deshalb maximal als Ergänzung zu einem bereits vorhandenen, richtigen Feuerlöscher gesehen werden, und können griffbereit in der Küchenschublade durchaus eine brennende Fritteuse löschen. Mehr aber auch nicht!

 

Verdeutlicht wurden diese und andere Tatsachen mit den darauf folgenden Vorführungen im Hof der Feuerwache. Gruppenführer Hans-Jürgen Krause demonstrierte an kleinen Übungsfeuern die Wirkungsweise der verschiedenen Löschmittel auf die fünf verschiedenen Brandklassen, sowie die Inbetriebnahme unterschiedlicher Feuerlöscher. Bei einem seiner Experimentalbrände war dann auch etwas mehr Löschmittel gefragt, weswegen das Thema Löschergröße nochmals zur Sprache kam.

 

Nach der vielen Theorie wurde es nun für unsere „Frühstücker“ ernst. Entstehungsfeuer verschiedener Größen mussten mit Hilfe von Wasserlöschern an unserem Feuerlöscher-Trainer (umweltschonend) bekämpft werden. Hier konnte nun jeder sein heute erlerntes Wissen in die Praxis umsetzten. Bei seiner Anleitung legte Nees nochmals Wert auf die korrekte Ausführung der Handgriffe zur Löscher-Inbetriebnahme, die Beachtung der wichtigsten Einsatzgrundsätze (wie z.B. mit dem Wind anzugreifen), sowie auf ein entschlossenes Vorgehen der Probanden gegen das Feuer. Insbesondere die Damen unter den Teilnehmer zeigten hier reges Interesse daran, "es endlich einmal ausprobieren zu können", so eine Teilnehmerin, nachdem sie ihrem verdutzten Mann den Feuerlöscher entrissen hatte.

 

Löschversuch Löschversuch

 

Jan Nees und sein Team zeigten sich sehr erfreut darüber, dass jeder Übende am Ende der Veranstaltung im Stande war, das Kunstfeuer fachgerecht zu löschen. Trotzdem gab er den Teilnehmern mit seinen abschließenden Worten zu bedenken, "dass es in diesem Moment um Ihr Eigentum geht und Sie deshalb sehr nervös sein werden. Bringen Sie sich niemals in unmittelbare Gefahr – und überschätzen Sie nicht Ihre Fähigkeiten und die des Löschers!"

 

Text: Jan Nees / Bilder: FFR



Von: Maik Roth

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