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Spielen mit der Kübelspritze

 

Jugendfeuerwehr

 

Früh übt sich, wer in die Einsatzabteilung will – schon Sechsjährige können Mitglied werden

 

Bericht aus dem Rüsselsheimer Echo: Löschen und lernen, spielen und staunen: Die Mädchen und Jungen in den Kinder- und Jugendfeuerwehren sind Feuer und Flamme für ihr Hobby. Das merkt jeder Zuschauer, der einmal bei einer Übung zugesehen oder eine Gruppe bei einem Ausflug begleitet hat. Insgesamt zählen die Jugendfeuerwehren der Stadt 65 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahre, darunter zehn Mädchen. Dazu kommen gut 20 jüngere Mädchen und Jungen in den Kinderfeuerwehren, die es in Haßloch und Rüsselsheim für Kinder ab sechs Jahre gibt.

 

Die Idee für eine Bambini-Feuerwehr gab es schon vor etwa zehn Jahren in Bauschheim, wo der damalige Jugendfeuerwehrwart Oliver Kraus das Thema ins Gespräch gebracht hatte. „Die Gesetzeslage war jedoch zunächst noch nicht klar“, sagt André Schäfer, der Stadtjugendfeuerwehrwart von Rüsselsheim, im Rückblick: Während die Organisation von Jugendfeuerwehren schon seit Jahrzehnten rechtlich geregelt ist, musste die Einführung von Kinderfeuerwehren erst noch im Hessischen Gesetz über den Brandschutz, die Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz (HBKG) organisiert werden – unter anderem ging es dabei um die Frage der Versicherung.
Mit gleich zwei Kinderfeuerwehren im Stadtgebiet ist Rüsselsheim Vorreiter in dieser Bewegung. Bald könnten es sogar drei Nachwuchsorganisationen sein. Denn in Bauschheim wird es in den kommenden Jahren wohl ebenfalls eine Bambini-Wehr geben, wenn der Umzug ins neue Gerätehaus erst einmal gestemmt ist.

 

Darin spiegelt sich die Geschichte der Jugendfeuerwehren in der Opelstadt und ihren Stadtteilen: Als sich 1958 die Jugendfeuerwehr Rüsselsheim gründete, waren die Nachwuchsorganisationen noch ein relativ neues Phänomen, schreibt Dieter Fröchtenich in seinem gerade erschienenen Buch zum Thema Jugendfeuerwehr: Zwar gab es beispielsweise Schulfeuerwehren, die den Brandschutz zwischen Klassensaal und Turnhalle unterstützten. Doch eine Jugendabteilung der Feuerwehr, die den großen Schwerpunkt auf Jugendarbeit legte, das war für die meisten Feuerwehren neu.


Erst 1964 entstand denn die Deutsche Jugendfeuerwehr als Dachverband. Da gab es neben den Rüsselsheimer Nachwuchsgruppe auch in Königstädten schon eine Jugendfeuerwehr. Haßloch folgte 1970, Bauschheim gründete 1971 seine Jugendwehr. Auf lange Sicht erwies sich das Engagement der Feuerwehren als Segen. Denn war am Anfang vor allem der Spaß und die Neugier der Jugendlichen Auslöser für die Aktivität in der Jugendfeuerwehr, so entwickelten sich die Jugendabteilungen immer stärker zur Nachwuchssicherung für die Einsatzabteilungen.

 

  kinderfeuerwehr
Foto: Peter Thomas, Rüsselsheimer Echo


Gerade in den letzten 20 Jahren, die von der zunehmenden Konkurrenz verschiedener Freizeitaktivitäten und einem demografischen Wandel geprägt waren, sorgten die Jugendwehren für die Bindung der jungen Menschen an die Feuerwehr. „Die Kinder- und Jugendfeuerwehren betreiben eine wichtige Zukunftsarbeit für den ehrenamtlichen Brandschutz“, sagt denn auch Thomas Meudt, der Leiter der Rüsselsheimer Feuerwehr. Beispielsweise seien alle heutigen Wehrführer einst Jugendfeuerwehrleute gewesen. „Die Jugendfeuerwehr ist heute das wichtigste Element der Nachwuchsgewinnung für die freiwilligen Feuerwehren“, bestätigt Stadtjugendwart André Schäfer: Zehn bis 20 Jugendliche finden jährlich den Weg aus der Jugend in die Einsatzabteilungen.


Wichtig sei allerdings in der Jugendarbeit, dass die Jugendfeuerwehr den Fokus nicht nur auf den Brandschutz richte, sagt Thomas Meudt. Deshalb gehören Sport und Spiel genauso zum Programm wie politische Bildung und der Kontakt zu den anderen Hilfsorganisationen. In dieser Hinsicht war beispielsweise das jüngste Übungswochenende der Jugendfeuerwehren aus Rüsselsheim und Haßloch vorbildlich: Mit eingebunden war nämlich auch das Jugend-Rot-Kreuz.
Auf nationaler Ebene laufen solche Kooperationen noch nicht ganz rund: Das für diesen Sommer geplante Zeltlager der sieben großen Hilfsorganisationen (Feuerwehr, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, THW, Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund und Johanniter Unfallhilfe) wurde wegen fehlenden Interesses abgesagt. Wie so etwas funktionieren kann, zeigt hingegen das Zeltlager der Jugendwehren auf Kreisebene: Das Zeltlager mit 600 bis 700 Jugendlichen findet regelmäßig alle drei Jahre statt.


Sind die Jugendfeuerwehren längst Erfolgsgeschichte, war die Gründung von Kinderfeuerwehren nur konsequent. In Rüsselsheim, wo sich Kristina Fleck und Sevda Dilekli um die Kleinsten kümmern, wird zum Thema Brandschutz gebastelt und gemalt, aber auch erste Versuche an der Kübelspritze unternehmen die sechs bis zehn Jahre alten Kinder. Und diese Mischung kommt an: „Die Feuerwehrautos sind toll, aber der Tischkicker auch“, sagt der sechs Jahre alte Dandi.

 

Quelle: Rüsselsheimer Echo



Von: Maik Roth

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